Igel im Laub (Foto: Bernd Kunz)
Igel gehören zu den häufiger beobachteten Gästen in Haus- gärten und Parkanlagen. Da Igel sehr bekannt und wegen ihrer Erscheinung sehr beliebt sind, wollen viele Menschen den Tieren gerne helfen, vor allem mit Fütterungen und Überwinterung.
Der Igel zählt mit Maulwürfen und Spitzmäusen zur Ordnung der Insektenfresser und ist in Mittel- europa weit verbreitet. Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv und haben ein breites Nahrungs- spektrum: Sie fressen Laufkäfer, Larven von Nachtschmetterlingen und sonstige Insekten, Regenwürmer, Ohrwürmer, Schnecken, Hundert- und Tausendfüßer sowie Spinnen. Igel sind also keine Vegetarier. Igel halten Winterschlaf. Dazu suchen sie meistens im November bei anhaltenden Bodentemperaturen um 0° C ein Winterquartier, z.B. Laub- und Reisighaufen, auf. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit sind Igel im beginnenden Herbst auch tagsüber aktiv, denn insbesondere die Jungtiere müssen sich für den bevorstehenden Winterschlaf noch einige Fettreserven anfressen. Ihr Winterquartier nutzen sie bei Schlechtwetterperioden bis in den April und Mai.
Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden und noch geschlossene Augen haben. Bei einer Unterkühlung mutterloser Igelkinder fühlt sich das Tier an der Bauchseite deutlich kühler an, als die eigene Hand. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, das Nest und seine Umgebung einige Stunden zu beobachten. Kranke Igel suchen ihr Futter auch tagsüber. Sie fallen durch unsicheren Gang auf oder liegen apathisch und rollen sich kaum noch ein. An der Einbuchtung hinter dem Kopf und herausstehenden Hüftknochen erkennt man, dass es sich um abgemagerte Tiere handelt. Ihre Augen stehen nicht halbkugelförmig hervor, sondern sind eingefallen und schlitzförmig. Auf kranken Tieren sitzen zudem oft Fliegen und legen ihre Eier ab. Allerdings darf man tagaktive, kranke Igel nicht mit säugenden Müttern verwechseln, die auch am Tag auf Futtersuche gehen, weil sie einen erhöhten Nahrungsbedarf haben und zwischen mehreren Ausweichquartieren hin- und herpendeln. Verletzte Igel, die z.B. an Straßen oder in Gruben gefunden werden, benötigen ebenso Hilfe wie Tiere, die über längere Zeit ohne Wasser und Futter gefangen waren. Igel, die nach Wintereinbruch tagsüber herumlaufen, sind ebenfalls hilfsbedürftig. Bei diesen Tieren handelt es sich um kranke oder schwache Alttiere oder aber spät geborene Jungigel, die sich kein ausreichendes Fettpolster anfressen konnten. Zufütterung nur in Ausnahmefällen im Spätherbst und Frühjahr. Fütterung lockt Ratten, Mäuse und Hunde an!
Igel sind Wildtiere, keine Haustiere. Zufüttern ist bei Igeln nur vor und nach dem Winterschlaf als kleine Unterstützung gerechtfertigt. Nicht artgerechtes Futter führt zu Verdauungsstörungen, zudem werden an Fütterungsstellen leicht Infektionskrankheiten übertragen. Gefüttert werden sollten nur nicht verderbliche Hundetrocken- oder Softfutter, auf keinen Fall Speiseresten, Dosenfutter oder Katzennahrung. Milch wird von Igeln zwar getrunken, sollte aber dennoch nicht angeboten werden, da es aufgrund ihres hohen Milchzuckergehaltes zu Durchfall kommen kann. Schwachen Tieren flößt man mit einer Plastik-Einwegspritze (ohne Nadel) ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee ein. Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht, muss der Tierarzt aufgesucht werden! Besonders in der warmen und trockenen Jahreszeit ist für Igel eine Wasserstelle wichtig. Sie muss saubergehalten und das Wasser täglich erneuert werden. Unterkühlte Igel werden gewärmt. Hierzu umwickelt man eine lauwarme Wärmflasche mit einem Frotteehandtuch und legt sie in einen passenden, hochwandigen Karton. Darauf setzt man den Igel und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu. Alternativ kann eine Tischlampe (25 Watt, im Abstand von ca. 20 bis 25 cm) benutzt werden. Kein Rotlicht oder Heizkissen verwenden, nicht baden. Fliegeneier und -maden, Flöhe, Zecken sollten entfernt werden. In jedem Fall und so bald wie möglich sollte ein Tierarzt oder eine Igelstation aufgesucht werden. Gesunde Igel umgehend freilassen!
Aus "NABU-Info Igel und Igelschutz".
Pro Igel e.V., Lilienweg 22, 24536 Neumünster, Tel. 0180-5555 9555, Fax: 04321-939479, E-Mail: Info@pro-Igel.de
NABU (2001): Der Igel – Pflegefall oder Outdoorprofi? Die Broschüre ist für 1,50 € zuzüglich Porto bei der NABU-Bundesgeschäftsstelle erhältlich.
NEUMEIER, M. (2001): Das Igel Praxisbuch. Die richtige Pflege, Aufzucht und Unterbringung. Kosmos, Stuttgart.
NEUMEIER, M. (2008): Igel in unserem Garten: Expertenrat aus erster Hand, Kosmos, Stuttgart
GÜNZEL, W.R. (2008): Der igelfreundliche Garten. So machen Sie Ihren Garten zum Paradies (nicht nur) für Igel, pala-Verlag