NABU Mittelhaardt

Naturschutz zwischen Wald und Reben

Trockenmauer (Foto: W. Kern)
Trockenmauer (Foto: W. Kern)

Die NABU-Gruppe Mittelhaardt (ehemals NABU Wachenheim/Deidesheim) wurde 1982 als DBV gegründet. Sie setzt sich mit über 350 Mitgliedern für die Belange des Natur- und Umweltschutzes ein. Im Einzugsgebiet liegen verschiedenartige Biotoptypen. So findet man hier die Feuchtwiesen und Tümpel des Forster Bruchs mit seinen Kopfweiden, den ausgedehnten Pfälzer Wald mit dem Haardtrand, die Trockenmauern der Wingertlandschaft sowie Mager- und Streuobstwiesen. Entsprechend vielfältig und interessant sind die Arbeiten, die bei uns im Laufe eines Jahres anfallen: Auf den Wiesenflächen sind Busch- und Baumwuchs zu unterbinden, die Kopfweiden sind zu schneiden und 650 Nistkästen aller Art zu betreuen.  Erfolge gibt es bei der Ansiedlung der seltenen Vogelarten Steinschmätzer, Uhu, Wiedehopf und Steinkauz, deren Steinhaufen bzw. Niströhren betreut werden.

Programm NABU Mittelhaardt 2016.pdf
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Ansprechpartner

Vorsitzende: Burkhard Ort und Friedrich Reinert

Tel.: 06322-63631 bzw. 06322-8742

E-Mail: NABU.Mittelhaardt[at]NABU-RLP.de

Unsere Projekte

Freistellung und Pflege von Steinschüttungen für die seltenen Steinschmätzer (Foto: NABU)
Freistellung und Pflege von Steinschüttungen für die seltenen Steinschmätzer (Foto: NABU)

Das Betätigungsgebiet des NABU Mittelhaardt liegt in der Vorderpfalz, westlich von Mannheim/Ludwigshafen, am westlichen Rand des Rhein-Grabens. Die Randlage macht unsere Arbeit abwechslungsreich, denn wir können sehr verschiedenartige Biotoptypen betreuen. Infolge der unterschiedlichen Lebensräume lassen sich hier beachtliche 90 Brutvogelarten nachweisen, wenn auch viele in zu geringer Bestandsdichte. Im folgenden wollen wir Ihnen eine Auswahl unserer Projekte vorstellen.

Forster Bruch - Landschaftspflege

Nicht weinbaulich genutzt sind das Forster Bruch und die Wiesen am Bächlein Marlach. Hier drückt das im Sandstein des Berglandes rasch versickernde Wasser an die Oberfläche. Natürlich sind die Flächen heute infolge Entwässerung und Trinkwassernutzung nicht mehr so sumpfig wie früher, doch im Kontrast zu Haardtrand und Weinbergen finden wir hier feuchte Wiesen, Schilfflächen und auwaldartige Baumbestände, für deren Erhalt der NABU sich in Zusammenarbeit mit örtlichen Viehzüchter einsetzt. Dementsprechend leben hier neben anderen Pirol und Nachtigall. Leider sind typische Feuchtlandbewohner, wie Bekassine und Kiebitz seit einigen Jahren nicht mehr als Brutvögel nachweisbar. Durch regelmäßige Arbeitseinsätze, bei denen beispielsweise Kopfweiden geschnitten, Tümpel angelegt oder Säcke voller Müll gesammelt werden, versucht der NABU den Wert dieses Gebietes zu fördern.

Goldbach - Renaturierung und Betreuung

Vor einigen Jahren hat der NABU einen Abschnitt des Goldbachs renaturiert, der jetzt von uns betreut wird.

Pfälzer Wald - Nisthilfen für Höhlenbrüter

Im Westen erheben sich die überwiegend mit Kiefern oder Buchen, aber zunehmend auch gemischt bewaldeten Hügel der Haardt. Der Pfälzer Wald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in Deutschland. Der Boden ist Sandstein und daher relativ trocken. Genannt seien die guten Vorkommen des Schwarzspechts und von Fledertieren in guter Vielfalt und Anzahl. Der NABU betreut mehr als 600 Nistkästen, die in den Randgebieten des Pfälzer Waldes aufgehängt sind. Warum diese Unterstützung von Höhlenbrütern? In unserem Ertragswald gibt es nur wenige alte, morsche, tote Bäume, in denen Specht und Zerfall die Nisthöhlen bereiten. Unser variantenreicher Bestand an Nisthilfen für Höhlenbrüter hilft vielen Tierarten. Die Kästen sind nummeriert und tragen die Aufschrift NABU oder DBV (älter). Jährlich wird die Belegung erfasst. Die Nistkästen werden von freiwilligen Helfern gereinigt, repariert und wenn nötig ummontiert oder ergänzt.

 

Interesse?! - Weitere Nistkasten-Betreuer gesucht! Wer möchte ein Revier betreuen?

Kontakt: Klaus Reincke, Tel. 06322-1583

Haardtrand freihalten

Der nach Osten abfallende und daher dem Westwind und Regen abgewandte Haardtrand hat im Sommer ein fast mediterranes, trocken/warmes Klima und weist daher einige Tier- und Pflanzenarten auf, die ansonsten in Deutschland kaum vorkommen. Beispiele aus der Avifauna sind gute Bestände von Zaunammer und Steinschmätzer. Am Haardtrand sind bewusst Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung heraus genommen. Wir und andere Verbände kümmern uns darum, solche Flächen von Verbuschung und Waldaufwuchs frei zu halten.

Hilfe für den Steinschmätzer

Foto: NABU-Archiv
Foto: NABU-Archiv

Die Ebene im Bereich unserer Verbands-gemeinden ist weitgehend als Wein- Monokultur genutzt. Der Steinschmätzer jedoch kommt damit hervorragend zurecht. Für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wingerte mussten die Hanglagen am Haardtrand in senkrecht laufenden Rebstockzeilen gestaltet werden. Zugleich mussten sie gegen die sonst unvermeidliche Erosion begrünt werden. Der Steinschmätzer braucht aber offene Erde für die Aufzucht der Küken. Zeilengrün nimmt ihm die Sicht auf seine wichtigste Ernährungsbeute. Darum musste er einen Ausweichbrutraum suchen. Diesen entdeckte er östlich der flurbereinigten Hanglagen, wo die Wingertzeilen durch Intensivpflege mit Motorpflügen / Mulchaggregaten erdoffen gehalten werden. Hier fehlten jedoch die Brutplätze in den Trockenmauern der Hanglagen. Hilfe war nötig. Im Jahr 1999 lief das Pilotprojekt "Umzug des Steinschmätzers" aus den Hanglagen in die sich östlich anschließende leicht hügelige, flurbereinigte Reblandschaft an. In dem neuen Lebens- und Aufzuchtraum sind im Rahmen des Projekts vernetzte Brutplätze durch gezielt angelegte Gabionen und Grobsteinschüttungen geschaffen worden. Beteiligt war ein Verbund von Naturschützern:

 

Mitglieder des NABU Mittelhaardt

Mitglieder der Pollichia e.V. Bad Dürkheim

Landschaftspfleger des Kulturamts Neustadt a. d. W.

Landschaftspfleger des Straßenbauamtes Worms

 

Die Teilnehmer-Gemeinschaften der Winzer stimmten zu und das Kulturamt Neustadt und in besonders weitem Ausmaß das Straßenbauamt stellten geeignete Ausgleichsflächen zur Vernetzung der ins Auge gefassten Brutlandschaft mit Gabionen und Steinschüttungen bereit. Pollichia und NABU übernahmen Planung, Regie, Pflege und wissenschaftlich begleitende Beobachtung der Brutentwicklung im neuen Lebensraum. Die Beobachtungen werden gesammelt und dienen dem Bewerten der ökologischen Effizienz der Naturschutzmaßnahme.

 

Das Projekt mit dem neuen Lebensraum parallel zur B 271 neu ist kein Selbstläufer. Naturschützern fällt die Aufgabe zu, die angebotenen Brutplätze während der Brutzeit durch wöchentliche Kontrollfahrten (meist per Rad) zu sichern.

 

Erfreulicher Weise respektieren Landarbeiter und Wanderer die Hinweisschilder mit der Bitte um Rücksichtnahme. Zweimal pro Jahr - Februar/März vor Rückkehr des Steinschmätzers aus Afrika und dann vor der Zweitbrutperiode Ende Mai/Anfang Juni - muss das Umfeld der Brutanlagen im Umkreis von 5-10 m gemäht werden. Der Steinschmätzer braucht freien Einflug.

Artenschutzprogramm Steinkauz

Der Bestand des Steinkauzes in Rheinland-Pfalz war seit 1950 auf ein Drittel zurückgegangen, auf etwa 250 Paare. Der kleine Kauz lebt nicht im Wald, sondern in alten Obstanlagen und in der offenen Feld- und Wiesenflur. Seine Nahrung sind größere Insekten und Kleinsäuger. In unserer Gegend kam er nur vereinzelt nördlich von Bad Dürkheim vor. Wesentliche Ursache für den Rückgang des Steinkauzes sind fehlende natürliche Baumhöhlen. Da er künstliche Nistmöglichkeiten akzeptiert, konnten wir, mit solchen Röhren seinen Bestand sichern und ihn wieder südlich und südöstlich von Bad Dürkheim heimisch werden lassen. NABU-Mitglieder, darunter unsere Gruppe, haben bisher im Landkreis weit über 100 Kauzröhren im offenen Gelände aufgehängt und kontrollieren, reinigen und reparieren sie ständig. Allein in den 25 Kauzröhren des NABU Mittelhaardt gab es 2014 acht Bruten. Bei einer davon blieb es bei kalten Eiern. 29 Jungkäuze wurden mit den Ringen der Vogelwarte Radolfzell gekennzeichnet und an Radolfzell gemeldet. Ein sehr schöner Erfolg.

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