NABU Wachenheim/Deidesheim

Naturschutz zwischen Wald und Reben

Trockenmauer (Foto: W. Kern) Trockenmauer (Foto: W. Kern)

Die NABU-Gruppe Wachenheim/Deidesheim wurde 1982 als DBV gegründet. Sie setzt sich mit über 240 Mitgliedern für die Belange des Natur- und Umweltschutzes ein. Im Einzugsgebiet liegen verschiedenartige Biotoptypen. So findet man hier die Feuchtwiesen und Tümpel des Forster Bruchs mit seinen Kopfweiden, den ausgedehnten Pfälzer Wald mit dem Haardtrand, die Trockenmauern der Wingertlandschaft sowie Mager- und Streuobstwiesen. Entsprechend vielfältig und interessant sind die Arbeiten, die bei uns im Laufe eines Jahres anfallen: Auf den Wiesenflächen sind Busch- und Baumwuchs zu unterbinden, die Kopfweiden sind zu schneiden und 650 Nistkästen aller Art zu betreuen. Ein Stück Bachbett wurde restauriert, die Verlängerung soll folgen. Erfolge gibt es bei der Ansiedlung der seltenen Vogelarten Steinschmätzer und Steinkauz, deren Steinhaufen bzw. Niströhren betreut werden.

Ansprechpartner

Nicolas Bachmann und Tobias Koreng

Tel.: 06322-988335

E-Mail: NABU.Wachenheim-Deidesheim[at]NABU-RLP.de

Unsere Projekte

Das Betätigungsgebiet des NABU Wachenheim/Deidesheim liegt in der Vorderpfalz, westlich von Mannheim/Ludwigshafen, am westlichen Rand des Rhein-Grabens. Die Randlage macht unsere Arbeit abwechslungsreich, denn wir können sehr verschiedenartige Biotoptypen betreuen. Infolge der Unterschiedlichkeit der Lebensräume lassen sich hier beachtliche 90 bis 95 Brutvogelarten nachweisen, wenn auch bei vielen in zu geringer Bestandsdichte. Im folgenden wollen wir Ihnen eine Auswahl unserer Projekte vorstellen.

Forster Bruch - Landschaftspflege

Nicht weinbaulich genutzt sind das Forster Bruch und die Wiesen am Bächlein Marlach. Hier drückt das im Sandstein des Berglandes rasch versickernde Wasser an die Oberfläche. Natürlich sind die Flächen heute infolge Entwässerung und Trinkwassernutzung nicht mehr so sumpfig wie früher, doch im Kontrast zu Haardtrand und Weinbergen finden wir hier feuchte Wiesen, Schilfflächen und auwaldartige Baumbestände, für deren Erhalt der NABU sich in Zusammenarbeit mit örtlichen Weinbauern aktiv einsetzt. Dementsprechend leben hier neben anderen Pirol und Nachtigall. Leider sind die typischen Feuchtlandbewohner Bekassine und Wiedehopf seit einigen Jahren nicht mehr als Brutvögel nachweisbar. Durch regelmäßige Arbeitseinsätze, bei denen beispielsweise Kopfweiden geschnitten, Tümpel angelegt oder Säcke voller Müll gesammelt werden, versucht der NABU den Wert dieses Gebietes zu fördern.

Goldbach - Renaturierung und Betreuung

Vor einigen Jahren hat der NABU einen Abschnitt des Goldbachs renaturiert, der jetzt von der NAJU betreut wird.

Pfälzer Wald - Nisthilfen für Höhlenbrüter

Im Westen erheben sich die überwiegend mit Kiefern oder Buchen, aber zunehmend auch gemischt bewaldeten Hügel der Haardt. Der Pfälzer Wald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in Deutschland. Der Boden ist Sandstein und daher relativ trocken. Genannt seien die guten Vorkommen des Schwarzspechts und von Fledertieren in guter Vielfalt und Anzahl. Der NABU betreut mehr als 600 Nistkästen, die in den Randgebieten des Pfälzer Waldes aufgehängt sind. Warum diese Unterstützung von Höhlenbrütern? In unserem Ertragswald gibt es nur wenige alte, morsche, tote Bäume, in denen Specht und Zerfall die Nisthöhlen bereiten. Unser variantenreicher Bestand an Nisthilfen für Höhlenbrüter hilft vielen Tierarten. Wie werden die Nisthilfen betreut? Die Kästen sind nummeriert und tragen die Aufschrift NABU oder DBV (älter). Jährlich wird die Belegung erfasst. Die Nistkästen werden von freiwilligen Helfern gereinigt, repariert und wenn nötig ummontiert oder ergänzt.

 

Interesse?! - Weitere Nistkasten-Betreuer gesucht! Wer möchte ein Revier betreuen?

Meldungen werden gerne entgegen genommen.

Kontakt: Klaus Reincke, In der Dreispitz 17, 67157 Wachenheim,

Tel. & Fax: 06322-1583, E-mail: Klaus.Reincke[at]NABU-RLP.de

Haardtrand freihalten

Der nach Osten abfallende und daher dem Westwind und Regen abgewandte Haardtrand hat im Sommer ein fast mediteranes, trocken/warmes Klima und weist daher einige Tier- und Pflanzenarten auf, die ansonsten in Deutschland kaum vorkommen. Beispiele aus der Avifauna sind gute Bestände von Zaunammer und Steinschmätzer. Am Haardtrand sind bewusst Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung heraus genommen. Wir und andere Verbände kümmern uns darum, solche Flächen von Verbuschung und Waldaufwuchs frei zu halten.

Hilfe für den Steinschmätzer

Die Ebene im Bereich unserer Verbandsgemeinden ist weitgehend als Wein-Monokultur genutzt. Der Steinschmätzer jedoch kommt damit hervorragend zurecht. Für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wingerte mussten die Hanglagen am Haardtrand in senkrecht laufenden Rebstockzeilen gestaltet werden. Zugleich mussten sie gegen die sonst unvermeidliche Erosion begrünt werden. Der Steinschmätzer braucht aber offene Erde für die Aufzucht der Küken. Zeilengrün nimmt ihm die Sicht auf seine wichtigste Ernährungsbeute. Darum musste er einen Ausweichbrutraum suchen. Diesen entdeckte er östlich der flurbereinigten Hanglagen, wo die Wingertzeilen durch Intensivpflege mit Motorpflügen / Mulchaggregaten erdoffen gehalten werden. Hier fehlten jedoch die Brutplatz-Schlupfwinkel, die er in den fugenoffenen Trockenmauern der Hanglagen gefunden hatte. Hilfe war nötig. Im Jahr 1999 lief das Pilotprojekt "Umzug des Steinschmätzers" aus den Hanglagen in die sich östlich anschließende leicht hügelige, flurbereinigte Reblandschaft an. In dem neuen Lebens- und Aufzuchtraum sind im Rahmen des Projekts vernetzte Brutplätze durch gezielt angelegte Gabionen und durch Grobsteinschüttungen (ø 20-40 cm) geschaffen worden.

Beteiligt war ein Verbund von Naturschützern:

 

Mitglieder des NABU Wachenheim/Deidesheim

Mitglieder der Pollichia e.V. Bad Dürkheim

Landschaftspfleger des Kulturamts Neustadt a. d. W.

Landschaftspfleger des Straßenbauamtes Worms

 

Die Winzer-Teilnehmer-Gemeinschaften stimmten zu und das Kulturamt NW und in besonders weitem Ausmaß das Straßenbauamt stellten geeignete Ausgleichsflächen zur Vernetzung der ins Auge gefassten Brutlandschaft mit Gabionen und Steinschüttungen bereit. Pollichia und NABU übernahmen Planung, Regie, Pflege und wissenschaftlich begleitende Beobachtung der Brutentwicklung im neuen Lebensraum. Die Beobachtungen werden gesammelt und dienen dem Bewerten der ökologischen Effizienz der Naturschutzmaßnahme.

 

Das Projekt mit dem neuen Lebensraum parallel zur B 271 neu ist kein Selbstläufer. Naturschützern fällt die Aufgabe zu, die angebotenen Brutplätze durch wöchentliche Kontrollfahrten (meist per Rad) zu sichern.

 

Erfreulicher Weise respektieren Landarbeiter und Wanderer die Hinweisschilder mit der Bitte um Rücksichtnahme. Zweimal pro Jahr - Februar/März vor Rückkehr des Steinschmätzers aus Afrika und dann vor der Zweitbrutperiode Ende Mai/Anfang Juni - muss das Umfeld der Brutanlagen im Umkreis von 5-10 m gemäht werden. Der Steinschmätzer braucht freien Einflug.

Artenschutzprogramm Steinkautz

Der Bestand des Steinkauzes in Rheinland-Pfalz ist seit 1950 auf ein Drittel zurück gegangen, auf etwa 250 Paare. Der kleine Kauz lebt nicht im Wald, sondern in alten Obstanlagen und in der offenen Feld- und Wiesenflur. Seine Nahrung sind größere Insekten und Kleinsäuger. In unserer Gegend kommt er nur nördlich von DÜW vor. Wesentliche Ursache für den Rückgang des Steinkauzes sind fehlende natürliche Baumhöhlen. Da er gut künstliche Nistmöglichkeiten akzeptiert, versuchen wir, mit solchen Röhren seinen Bestand zu sichern und ihn wieder südlich und süd-östlich von DÜW, also auch in unserer VG, heimisch werden zu lassen. NABU-Mitglieder, darunter unsere Gruppe, haben bisher im Landkreis 65 Kauzröhren im offenen Gelände ausgebracht und kontrollieren, reinigen und reparieren sie ständig.

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