Natur zuhause erleben und Fördern

Naturtipps für die Gartensaison und digitale Narturentdeckungen

Bei schönem Wetter fallen die derzeitigen Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie manchen besonders schwer. Doch auch von zu Hause aus lässt sich Natur erleben oder auf dem Balkon oder im Garten sogar selber fördern.

 

Der Frühling ist da und somit beginnt für einige mit den steigenden Temperaturen auch wieder die Gartensaison. Hier lässt sich mit ein paar einfachen Tipps Natur vor der eigenen Haustür schaffen: Ob Nisthilfen für Insekten und Vögel, das Anlegen einer Blumenwiese für Schmetterlinge statt des eintönigen Englischen Rasens, ein Totholzhaufen als Unterschlupf für Igel oder eine kleine Trockenmauer für Eidechse und Co. – Naturschutz findet auch im kleinsten Garten oder Balkon ein Plätzchen. Mit den ersten Sonnenstrahlen gehen auch immer mehr Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten in den Gärten auf Nahrungssuche. Durch den Einsatz von heimischen Stauden und Gehölzen wie Wiesensalbei, Natternkopf und Hunds- oder Essigrose kann diesen ein wahres Nektar- und Pollenbuffet geboten werden. Aber standortgerechte heimische Gehölze und Stauden bieten noch andere Vorteile. Sie brauchen keinen Dünger oder Pflanzenschutzmittel, da sie an unser Klima angepasst sind. Achtet man dann beim Kauf der Blumenerde noch darauf, dass diese keinen Torf enthält, steht einem gift- und torffreien Naturgarten nichts mehr im Wege.

 

Die Natur im Frühling kann aber auch digital entdeckt werden – ganz ohne die Wohnung oder das Haus zu verlassen. Der NABU bietet dafür zahlreiche kostenfreie Angebote auf seinen Internetseiten. So kann man spielerisch die häufigsten Gartenvögel kennenlernen oder mit dem Insektentrainer Tagpfauenauge, Florfliege, Holzbiene und Co. bestimmen. Mit der NABU-Vogeluhr erfahren Naturfreund*innen, welcher Vogel morgens wann zu hören ist – und man kann sein neues Wissen gleich auf dem eigenen Balkon oder am Fenster überprüfen (zu finden unter https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/natur-erleben/27778.html).

 

Mit Kindern ist die lange Zeit in den eigenen vier Wänden besonders herausfordernd, zudem auch Kitas und Schulen geschlossen sind. Hier sagen die Kinderseiten "NAJUversum" (zu finden unter https://www.najuversum.de/) mit Podcasts und Videos sowie tollen Experimenten zum Nachmachen der Langeweile den Kampf an.

Mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich Nistkästen aus ungehobeltem Holz leicht selber bauen. Foto: Carmen Schauroth
Mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich Nistkästen aus ungehobeltem Holz leicht selber bauen. Foto: Carmen Schauroth
Nisthilfen für Wildbienen, z.B. aus Bambusstängeln werden im Frühling von den kleinen Nützlingen gerne angenommen. Foto: Carmen Schauroth
Nisthilfen für Wildbienen, z.B. aus Bambusstängeln werden im Frühling von den kleinen Nützlingen gerne angenommen. Foto: Carmen Schauroth
Jetzt ist eine gute Zeit, um Tomaten, Sonnenblumen oder einheimische Stauden vorzuzuziehen. Das macht auch Kindern Spaß. Foto: Sebastian Hennigs
Jetzt ist eine gute Zeit, um Tomaten, Sonnenblumen oder einheimische Stauden vorzuzuziehen. Das macht auch Kindern Spaß. Foto: Sebastian Hennigs


Artenschutz auf einem Quadratmeter

Aktualisierte Bauanleitung für einen Lebensturm

In unserer aufgeräumten Kulturlandschaft fehlt es oftmals an geeigneten Lebensräumen für unsere einheimische Tierwelt. Wer der Natur etwas Gutes tun will, kann mit Nisthilfen und einem naturnahen Garten im eigenen Umfeld Abhilfe schaffen. Selbst auf kleinster Fläche ist es möglich, einer Vielzahl von Tieren Unterschlupf und Nistmöglichkeiten zu bieten, zum Beispiel mit einem Lebensturm. Hierfür wird eine Grundfläche von nur einem Quadratmeter benötigt. In den verschiedenen Stockwerken finden Insekten, Vögel, Fledermäuse, Igel und Eidechsen ein Zuhause. Unsere Bauanleitung hat nun ein Update erfahren und wurde aktuellen Erkenntnissen angepasst:

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Bauanleitung Lebensturm 2020
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Die Turteltaube ist der Vogel des Jahres 2020

Der gefiederte Liebesbote steht auf der globalen Roten Liste - Situation in Rheinland-Pfalz

Foto: Manfred Delpho
Foto: Manfred Delpho

Sie ist ein Symbol für die Liebe, ihre Lebensbedingungen sind aber wenig romantisch: Die Turteltaube wurde vom NABU und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogelschutz) zum „Vogel des Jahres 2020“ gewählt. Damit wollen die Verbände darauf aufmerksam machen, dass die Turteltaube stark gefährdet ist.

 

„Die Turteltaube ist in Rheinland-Pfalz ein eher seltener aber regelmäßiger Brutvogel.“, berichtet Fiona Brurein, Öffentlichkeitsreferentin des NABU Rheinland-Pfalz. „Vorzugsweise kommt sie bei uns in warmen Regionen wie der Pfalz und Rheinhessen vor. Dann bevorzugt sie die strukturreiche halboffene Kulturlandschaft. In großen Teilen der bergigen Regionen wie Eifel und Westerwald sind Turteltauben hingegen eher selten anzutreffen.“

 

Seit 1980 ist der Bestand der kleinen Taube in Deutschland um 90 Prozent zurückgegangen. Ganze Landstriche sind mittlerweile turteltaubenfrei. Laut NABU fehlt es an geeigneten Lebensräumen wie strukturreichen Wäldern- und Feldrändern. Zudem ist sie durch die legale und illegale Jagd im Mittelmeerraum bedroht. Jährlich werden in der EU mehr als 1,4 Millionen Turteltauben legal geschossenen

 

Die 25 bis 28 Zentimeter großen Vögel mit ihrem farbenfrohen Gefieder ernähren sich fast ausschließlich pflanzlich. Sie bevorzugen Wildkräuter- und Baumsamen. Dem Jahresvogel schmecken Samen von Klee, Vogelwicke, Erdrauch und Leimkraut. Diese Pflanzen wollen Landwirte nicht auf ihren Feldern haben. Darum hat sich die Taube seit den 60er Jahren angepasst und ihre Nahrung umgestellt. Der Anteil von Sämereien aus landwirtschaftlichen Kulturen macht nun in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets mehr als die Hälfte der Nahrung aus statt wie früher nur 20 Prozent. Im Gegensatz zu Wildkrautsamen stehen diese aber nur für kurze Zeit bis zur Ernte zur Verfügung und fehlen während der kritischen Phase der Jungenaufzucht.

 

Die Intensivierung der Landwirtschaft verschlechtert die Lebensbedingungen der Turteltauben enorm – ein Schicksal, das sie mit vielen anderen Jahresvögeln teilt. Die Ausweitung von Anbauflächen geht mit einem Verlust von Brachen, Ackersäumen, Feldgehölzen und Kleingewässern einher. Damit verschwinden Nistplätze sowie Nahrungs- und Trinkstellen. Viele Äcker werden außerdem mit Herbiziden von „Unkraut“ befreit. Doch von genau diesen Ackerwildkräutern ernährt sich die Turteltaube. Außerdem ist chemisch behandeltes Saatgut vergiftete Nahrung für die Tauben. Der NABU kämpft seit Jahren für eine EU-Förderung der Landwirtschaft, die Natur erhält statt sie zu schädigen.

 

„Was wir in unserer Landschaft wieder brauchen ist Strukturvielfalt. Vor allem müssen sich Hecken wieder in unserem Landschaftsbild finden und Bäche müssen sich frei durch die Landschaft schlängeln dürfen. Genauso wichtig ist aber auch eine schnelle und drastische Reduzierung des Pestizideinsatzes. Unsere Landnutzungsformen müssen ökologischer werden,“ fordert Brurein.

 

Die Turteltaube ist der erste vom NABU gekürte Vogel, der als global gefährdete Art auf der weltweiten Roten Liste steht. Heute brüten bundesweit nur noch 12.500 bis 22.000 Paare. Die meisten der höchstens 5,9 Millionen Paare Europas leben in Spanien, Frankreich, Italien und Rumänien. Turteltauben sind die einzigen Langstreckenzieher unter den Taubenarten Mitteleuropas. Sie verlassen zwischen Ende Juli und Anfang Oktober Europa, um südlich der Sahara zu überwintern.

 

Um den gefiederten Liebesboten zu schützen, fordert der NABU Bundesumweltministerin Svenja Schulze mit einer Petition (www.vogeldesjahres.de/petition) auf, sich neben einer verbesserten Landwirtschaftspolitik auch für das dauerhafte Aussetzen der Abschussgenehmigungen in den EU-Mitgliedsstaaten einzusetzen.

 

Weitere Infos unter www.Vogel-des-Jahres.de