Richtige Igelhilfe im Herbst

Naturnahe Gärten bieten Igeln Unterschlupf

Für Igel ist der Herbst die heiße Phase, um sich auf den Winterschlaf vorzubereiten. Jetzt fressen sie sich die nötigen Fettreserven für die kommenden Monate an. Insbesondere junge Igel sind dabei auch tagsüber unterwegs. Nur so können sie genügend Beute machen, bevor das Nahrungsangebot an Schnecken, Spinnen und Käfern knapp wird. Die Tiere legen bis zu 50 Gramm pro Woche zu. Auch wenn der Anblick ungewöhnlich ist, in den meisten Fällen besteht kein Grund zur Sorge, wenn ein Igel tagsüber durch den Garten läuft. Die Überlebenschance junger, gesunder Igel ist oft größer als häufig angenommen. Erst bei Kälteeinbruch mit Temperaturen um den Gefrierpunkt besteht für untergewichtige oder herumirrende Tiere die Gefahr, für den Winterschlaf nicht ausreichend gerüstet zu sein. Im Zweifel sollte man junge Igel einige Zeit beobachten. Wer die Jungtiere - insbesondere Leichtgewichte unter 300 Gramm - jetzt zusätzlich unterstützen möchte, der kann regelmäßig ein Schälchen Katzenfutter oder spezielles Igeltrockenfutter bereitstellen. Igel dürfen auf keinen Fall mit Milch gefüttert werden. Der Milchzucker führt bei ihnen zu schmerzlichen Koliken und krank machendem Durchfall. Junge Igel können daran sterben.

 

Igel sind laut Bundesnaturschutz besonders geschützt und dürfen deshalb gar nicht ohne vernünftigen Grund der Natur entnommen werden. Lediglich kranke, verletzte oder auffallend unterernährte Tiere stellen bedingt eine Ausnahme dar.

 

Solche für den Winterschlaf nicht ausreichend gerüsteten Tiere können der fachkundigen Hilfe eines Tierarztes oder einer Igelstation übergeben werden. Grundsätzlich sollte die Aufnahme von Igeln jedoch eine Ausnahme bleiben, sind sie als heimische Wildart doch an die hier herrschenden Witterungsbedingungen angepasst.

 

Wer einen Garten sein eigen nennt, der kann Igeln gut dauerhaft helfen, indem er das Grundstück igelfreundlich herrichtet. Gärten sind für die heimischen Stacheltiere wichtige Lebensräume. Eine naturnahe Gestaltung mit Hecken, Obstbäumen, Steinmauern oder Wiesen bietet dem Igel ganzjährig Nahrung und Unterschlupf. Der Verzicht auf Mineraldünger und chemische Bekämpfungsmittel sowie eine Bepflanzung mit heimischen Gewächsen sorgt für einen reich gedeckten Tisch. Das ein oder andere Loch im Zaun schafft freien Zugang, Kellerschächte und Gruben sollten abgedeckt und Teiche mit Rettungsplanken versehen sein. Das ideale Winterquartier lässt sich ebenfalls schnell bereitstellen: Es besteht aus einem Haufen totem Holz, Reisig und Laub.


Igel

Stachelige Gesellen in Garten und Landschaft

Igel im Laub (Foto: Bernd Kunz)
Igel im Laub (Foto: Bernd Kunz)

Igel gehören zu den häufiger beobachteten Gästen in Haus- gärten und Parkanlagen. Da Igel sehr bekannt und wegen ihrer Erscheinung sehr beliebt sind, wollen viele Menschen den Tieren gerne helfen, vor allem mit Fütterungen und Überwinterung.

 

Der Igel zählt mit Maulwürfen und Spitzmäusen zur Ordnung der Insektenfresser und ist in Mittel- europa weit verbreitet. Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv und haben ein breites Nahrungs- spektrum: Sie fressen Laufkäfer, Larven von Nachtschmetterlingen und sonstige Insekten, Regenwürmer, Ohrwürmer, Schnecken, Hundert- und Tausendfüßer sowie Spinnen. Igel sind also keine Vegetarier. Igel halten Winterschlaf. Dazu suchen sie meistens im November bei anhaltenden Bodentemperaturen um 0° C ein Winterquartier, z.B. Laub- und Reisighaufen, auf. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit sind Igel im beginnenden Herbst auch tagsüber aktiv, denn insbesondere die Jungtiere müssen sich für den bevorstehenden Winterschlaf noch einige Fettreserven anfressen. Ihr Winterquartier nutzen sie bei Schlechtwetterperioden bis in den April und Mai.


Was kann der Einzelne tun?

Bieten Sie in Ihrem Garten Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten wie niedriges Buschwerk, Laub- und Reisighaufen für Igel an. Die beste Igelhilfe ist eine naturnahe Gestaltung des Gartens! Schaffen Sie Überwinterungsquartiere, indem Sie z.B. ein Igelhäuschen bauen.

 

Verzichten Sie auf englischen Rasen und exotische Gehölze im Garten. Gestalten Sie Ihren Garten ohne kleinmaschige Zäune, damit sich Igel frei fortbewegen können.

 

Kein Abbrennen von Reisighaufen ohne vorheriges vorsichtiges Umsetzen!

 

Vorsicht beim Mähen sowie bei Aufräumungs- und Rodungsarbeiten: In Haufen und Holzstapeln können sich Igelnester befinden!

 

Kellerschächte, Gruben etc. sind Tierfallen, die abgedeckt werden sollten. Baugruben, Kabel- und ähnliche Gräben (auch an Straßen) auf hineingefallene Igel kontrollieren und Opfer aus ihrer mißlichen Lage retten.

 

Rettungsplanken für Teiche bzw. an Wasserbecken mit steilem, glattem Rand anbringen, damit sich Igel im Notfall selbst retten können.

 

Kein unnötiger Chemieeinsatz im Garten: Schöpfen Sie bei der Schädlingsbekämpfung umweltverträgliche Alternativen aus.

 

Sorgen Sie regelmäßig für frisches Trinkwasser, z.B. mit einem Vogelbad oder einer Vogeltränke im Garten.

 

Verzichten Sie auf Laubsauger.


Pflegefall: Wann braucht ein Igel Hilfe?

Igeljunge, die tagsüber außerhalb ihres Nestes angetroffen werden und noch geschlossene Augen haben. Sie sind meist unterkühlt und mutterlos. Bei einer Unterkühlung mutterloser Igelkinder fühlt sich das Tier an der Bauchseite deutlich kühler an, als die eigene Hand. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, das Nest und seine Umgebung einige Stunden zu beobachten.

 

Auch kranke Igel suchen ihr Futter auch tagsüber. Sie fallen durch unsicheren Gang auf oder liegen apathisch und rollen sich kaum noch ein. An der Einbuchtung hinter dem Kopf und herausstehenden Hüftknochen erkennt man, dass es sich um abgemagerte Tiere handelt. Ihre Augen stehen nicht halbkugelförmig hervor, sondern sind eingefallen und schlitzförmig. Auf kranken Tieren sitzen zudem oft Fliegen und legen ihre Eier ab.

 

Allerdings darf man tagaktive, kranke Igel nicht mit säugenden Müttern verwechseln, die auch am Tag auf Futtersuche gehen, weil sie einen erhöhten Nahrungsbedarf haben und zwischen mehreren Ausweichquartieren hin- und herpendeln.

 

Verletzte Igel, die z.B. an Straßen oder in Gruben gefunden werden, benötigen ebenso Hilfe wie Tiere, die über längere Zeit ohne Wasser und Futter gefangen waren.

 

Igel, die nach Wintereinbruch tagsüber herumlaufen, sind ebenfalls hilfsbedürftig. Bei diesen Tieren handelt es sich um kranke oder schwache Alttiere oder aber spät geborene Jungigel, die sich kein ausreichendes Fettpolster anfressen konnten.


Ausnahmefall: Erst Hilfe für Igel

Igel sind Wildtiere, keine Haustiere. Die Pflege von Wildtieren ist ohne Sachkenntnis nichts für unerfahrene Laien. In jedem Fall und so bald wie möglich sollten Sie sich bei Igelfachleuten informieren, gegebenenfalls auch einen Tierarzt oder eine Igelstation aufsuchen, damit Sie gut und ausführlich beraten werden.

 

Zufüttern ist bei Igeln nur vor und nach dem Winterschlaf als kleine Unterstützung gerechtfertigt. Nicht artgerechtes Futter führt zu Verdauungsstörungen und kann das Tier zusätzlich beeinträchtigen. Zudem werden an Fütterungsstellen leicht Infektionskrankheiten übertragen. Gefüttert werden sollte Katzendosenfutter oder kurz angebratenes, niemals rohes, Rinderhackfleisch, vermischt mit Igeltrockenfutter oder Haferflocken. Nahrhaft ist auch ungewürztes Rührei, in der Pfanne mit etwas Öl gegart und mit Haferflocken gemischt. Auf gar keinen Fall dürfen Igel mit Speisereste, Obst oder Milch gefüttert werden. Milch wird von Igeln zwar getrunken, sie kann aber nicht verdaut werden und führt zu schweren Durchfällen.

 

Schwachen Tieren flößt man mit einer Plastik-Einwegspritze (ohne Nadel) ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee ein. Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht, muss der Tierarzt aufgesucht werden!

 

Besonders in der warmen und trockenen Jahreszeit ist für Igel eine Wasserstelle wichtig. Sie muss saubergehalten und das Wasser täglich erneuert werden.

 

Unterkühlte Igel werden gewärmt. Hierzu umwickelt man eine lauwarme Wärmflasche mit einem Frotteehandtuch und legt sie in einen passenden, hochwandigen Karton. Darauf setzt man den Igel und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu. Alternativ kann eine Tischlampe (25 Watt, im Abstand von ca. 20 bis 25 cm) benutzt werden. Kein Rotlicht oder Heizkissen verwenden, nicht baden.

 

Fliegeneier und -maden, Flöhe, Zecken sollten entfernt werden. In jedem Fall und so bald wie möglich sollte ein Tierarzt oder eine Igelstation aufgesucht werden. Gesunde Igel umgehend freilassen!

 

Aus "NABU-Info Igel und Igelschutz".


Weitere Informationen und Ansprechpartner

Pro Igel e.V., Lilienweg 22, 24536 Neumünster, Tel. 0180-5555 9555, Fax: 04321-939479, E-Mail: Info@pro-Igel.de

www.pro-igel.de

 

NABU (2001): Der Igel – Pflegefall oder Outdoorprofi? Die Broschüre ist für 1,50 € zuzüglich Porto bei der NABU-Bundesgeschäftsstelle erhältlich.

 

NEUMEIER, M. (2001): Das Igel Praxisbuch. Die richtige Pflege, Aufzucht und Unterbringung. Kosmos, Stuttgart.

 

NEUMEIER, M. (2008): Igel in unserem Garten: Expertenrat aus erster Hand, Kosmos, Stuttgart

 

GÜNZEL, W.R. (2008): Der igelfreundliche Garten. So machen Sie Ihren Garten zum Paradies (nicht nur) für Igel, pala-Verlag